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Im ersten Lebensjahr machen Kinder eine enorme Entwicklung durch. Sie entwickeln sich vom kleinen hilflosen Baby zum entdeckungsfreudigen Kleinkind.

Es ist alles nur eine Phase: Entwicklungsschübe von Babys

Morgens in ihrem Bettchen plappert Emma munter drauf los „Tata, Baba“. Sie kann jetzt mehrere Silben aneinanderreihen. Dann greift Emma nach ihrer Rassel und betrachtet sie ausgiebig. Sie dreht sie in ihren kleinen Händen hin und her, um sie anschließend in ihren Mund zu stecken.

Im Laufe des Tages klammert sich Emma immer wieder ganz fest an ihre Mama und möchte sich nicht mehr von ihr lösen. Einen Moment später reagiert sie launisch und weinerlich. Emma möchte ständig die Aufmerksamkeit ihrer Eltern und sie beginnt zu fremdeln.

Was ist nur mit unserem Baby los, fragen sich in diesen Momenten ihre Eltern. Gestern noch ganz friedlich und fröhlich lachend und heute steht ihre Welt Kopf. Die Emotionen fahren Achterbahn und plötzlich kann ihr kleiner Liebling völlig neue Dinge wie Silben plappern oder eben ein Spielzeug in den Händen drehen.

Emma ist 5 Monate alt und befindet sich in ihrem 4. Wachstums- bzw. Entwicklungsschub.

Was ist ein Entwicklungsschub? Wie viele davon gibt es?

Im ersten Lebensjahr machen Kinder eine enorme Entwicklung durch. Sie entwickeln sich vom kleinen hilflosen Baby zum entdeckungsfreudigen Kleinkind. Dabei durchleben sie eine beeindruckende und umfangreiche körperliche und kognitive Entwicklung. Somit ist das erste Lebensjahr die große Herausforderung für das Baby, aber auch genauso für seine Eltern. 

Diese ganze Entwicklung läuft in Schüben ab. Dabei ist ein Wachstumsschub, besser bezeichnet als ein Entwicklungsschub, in den ersten 14 Monaten die mentale Entwicklung eines Babys d.h.: es lernt nach und nach alle Fähigkeiten wie Vorstellungsvermögen, Erinnerungsvermögen, Denkvorgänge, Sprache und komplexere Koordination zu bewältigen, wozu sein Gehirn zu Beginn seines Lebens noch nicht fähig war. Und diese Entwicklung läuft eben nicht geradlinig ab.

Es lassen sich über die ersten 14 Monate acht größere Entwicklungsschübe beobachten. Diese können unterschiedlich in ihrer Intensität und Dauer sein und von einem Tag über mehrere Wochen andauern. Dabei öffnet sich für dein Baby eine ganz neue Welt, die sich beängstigend und neu anfühlen kann.

Babys reagieren mit meist typischen Verhaltensweisen auf diese neuen Eindrücke, an denen Du einen neuen Entwicklungsschub erkennen kannst. Anzeichen bei deinem Baby können sein, dass es…  

  • sehr anhänglich wird
  • immer auf den Arm genommen werden möchte
  • öfters weint
  • unruhig ist
  • schlechter ein- oder durchschläft
  • Reize aus der Umwelt sensibler wahrnimmt
  • hungriger ist oder weniger Appetit hat
  • länger oder öfters an Mamas Brust nuckeln möchte

Im Anschluss an einen Entwicklungsschub entdeckst du an deinem Baby plötzlich ganz neue Fähigkeiten, die es nun mit Freude austestet.

Wann finden diese 8 Entwicklungsschübe statt?

1. Schub: Die Welt der Sinneseindrücke (mit 5 Wochen)

Dein Baby lernt: scharfes Sehen auf größere Entfernung, interessierter an Umwelt, erstes Lächeln, Hörsinn schärft sich, glucksende bzw. quietschende Laute

So kannst du es unterstützen: Eingehen auf Bedürfnisse, viel Nähe und Geborgenheit geben, Förderung der neuen Fähigkeiten z.B. mit bunten Tüchern, spannenden Gegenständen, viel sprechen mit ihm

2. Schub: Sinnesschärfung (mit 8 Wochen)

Dein Baby lernt: Muster erkennen, Erkennen einzelner Gegenstände, Entdeckung seiner Hände und Beschäftigung damit, bewusstes ruckartiges Greifen nach Dingen, Ausprobieren der Gesichtsmuskeln mit Grimassenschneiden

So kannst du es unterstützen: viel Nähe zum Entspannen, Tragetuch bzw. Babytrage anschaffen, dadurch Abschirmen von Außenreizen

3. Schub: Kommunikation (mit 12 Wochen)

Dein Baby lernt: flüssigere, kontrolliertere Bewegungen, Stimmeneinsatz, Ausprobieren von Übergängen zwischen verschiedenen Tönen, sanfte, laute, leise, schrille Töne

So kannst du es unterstützen: viel Aufmerksamkeit schenken, Blickkontakt halten und darauf eingehen, mit ihm sprechen, nackt Strampeln ermöglichen, um bessere Beweglichkeit seines Körpers spüren zu lassen

4. Schub: Bewegungsfluss (mit 19 Wochen)

Dein Baby lernt: mehrere fließende Bewegungen nacheinander z.B.: Gegenstand greifen, drehen in Händen, dann in den Mund stecken, Beginn orale Phase-bis 8. Lebensmonat andauernd, Untersuchung von Gegenständen mit Mund, Geplapper ausführlicher, Aneinanderreihung mehrerer Silben, Abwechslung zwischen Vokalen und Konsonanten z.B.: „abba, tata…“

So kannst du es unterstützen: Nähe geben, Sicherheit durch feste wiederkehrende Abläufe vermitteln, Abendritual einführen z.B.: jeden Abend das gleiche Lied singen, Möglichkeit zum Ausprobieren seiner neuen Fähigkeiten bieten z.B.: Spielebogen, Activity-Center, Dinge zum daran Schrauben oder kleine Glöckchen zum Musik machen

5. Schub: Zusammenhänge (mit 26 Wochen)

Dein Baby lernt: Wahrnehmung von Entfernungen zwischen Gegenständen und Personen, Frustration bei nicht Erreichbarkeit z.B.: bei Spielzeug im Regal, Angst beim Verschwinden der Bezugsperson in anderes Zimmer, Zusammenhänge werden bewusst z.B.: Schalter betätigt-Licht an, Geschirr klappert-gibt Essen, Teller fällt vom Tisch-gibt Geräusch

So kannst du es unterstützen: Vermittlung von Sicherheit durch viel Nähe und Aufmerksamkeit, Entdeckungsreise ermöglichen d.h.: das Zuhause kindersicher machen z.B.: Steckdosenschutz, Schranksicherungen, Medikamente u.ä. kindersicher verschließen

6. Schub: Konzentriertes Erkunden (mit 37 Wochen)

Dein Baby lernt: Dinge in Hand nehmen und betrachten, Einteilung von Dingen in Kategorien und Gruppen z.B.: Auto ist Auto, egal ob es blau oder rot aussieht, auf der Straße fährt oder im Buch abgebildet ist

So kannst du es unterstützen: Verständnis für wechselhafte Launen aufbringen, viel Kuscheln zusammen

7. Schub: Welt der Reihenfolge (mit 46 Wochen)

Dein Baby lernt: Verständnis für nacheinander ausgeführte Handlungen z.B.: Essen auf Löffel schieben und dann zum Mund, Sprachinteresse steigt z.B.: Zeigen auf Dinge-Erwartung, dass diese von Dir benannt werden, feste Abläufe, Selbstständigkeit und Willen, selbst Löffel zu halten oder alleine Treppe hochzuklettern wächst

So kannst du es unterstützen: Chance zum Ausprobieren und Experimentieren geben, Lernen durch Wiederholungen ermöglichen, Geduld haben, viel Sprechen mit ihm, Sprachentwicklung fördern

8. Schub: Welt der Programme (mit 55 Wochen)

Dein Baby lernt: Verständnis für Auflösbarkeit starrer Reihenfolgen bei bestimmten Tätigkeiten z.B.: Anziehen-erst Pullover, dann Hose, aber auch umgekehrt möglich, Nachahmen, Experimentieren z.B.: beim Essen, Motorikentwicklung, erste Schritte, Nachspielen von Alltagssituationen z.B.: Spielküche bedienen, Puppen frisieren, mit Autos auf dem Straßenspielteppich fahren

So kannst du es unterstützen: Neugierde für Chance zum Mithelfen im Alltag nutzen z.B.: Tisch gemeinsam decken oder Zimmer fegen, beim Anziehen und Essen mithelfen lassen, Motivation zulassen, auch wenn Zeit dadurch länger dauert oder etwas Chaos entsteht

Durchlaufen alle Babys diese 8 Entwicklungsschübe?

Fast alle Babys durchlaufen in dieser Reihenfolge die Entwicklungsschritte, wenn auch mit individuellen zeitlichen Unterschieden. Denn jedes Baby hat seinen eigenen Rhythmus und sein eigenes Tempo. Eltern brauchen sich nicht zu sorgen, wenn ihr kleiner Schatz manche Dinge etwas später erlernt.

Die Wochenangaben sind ein statistischer Mittelwert mit Orientierung am errechneten Geburtsdatum. Jedes Baby ist einzigartig und entwickelt sich individuell. Geduld ist gefragt, denn es ist alles nur eine Phase. 

Antje Warg, Teamkoordinatorin in der Mutter-/Vater-Kind-Wohngruppe Burgstädt 

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